Das Jahr 2016 geht mit einem relativ niedrigen Wert von 70 Punkten und einer unüblich flachen Endjahreskurve zu Ende. In allen Vorjahren konnte im Dezember bislang jeweils ein Anstieg von rund 10% zum jeweiligen November gemessen werden.
Im Dezember 2016 hat der Index aber lediglich 3% zum November zugelegt und über das Gesamtjahr 2016 mit den nun vorliegenden Messwerten -21% zum Vorjahr verloren.

Bei Betrachtung der einzelnen Sortimentsbereiche reicht die Lücke zum Vorjahr von -12% (Andere Artikel) und -34% (Storage). Es gibt damit keinen Artikelbereich, in dem auch nur annähernd eine Wachstumslinie zu erkennen wäre. Auch stellt sich die Sortimentsstruktur zum Jahresende 2016 neu dar. Stammten vor 2 Jahren (12/2014) noch 42% der Reseller-Umsätze aus Computerverkäufen, so sind es per 12/2016 relativ stabil nur noch 36%. An Bedeutung hat dagegen das Randsortiment „Andere Artikel“ gewonnen, so dass der ICT-Reseller nun über 15% mit nicht typischen ICT-Artikeln umsetzt statt noch knapp 10% in 12/2014.

ICT ReSeller Index Dezember 2016 / Schweiz gesamt

Mit dem Dezember 2016 scheint für den Reseller endgültig eine neue Zeit angebrochen zu sein. Den Mengen und Preis fokussierten Sonderaktionen der Retailer und grossen Online-Portalen konnten bisher nur grosse Reseller etwas entgegen setzen. Daher sind 2016 die überwiegende Mehrzahl der ICT-Reseller nicht mehr in diese Schlacht gezogen. Auch bevorzugen die Hersteller eher Abnehmer grosser Mengen, die dann über Kick-Back und Marketingzuschüsse gezielt im Abverkauf gefördert werden. Dass sich damit immer mehr Hersteller auf immer weniger grosse Händler konzentrieren, scheint bislang noch kein Problem zu sein. Auf alle Fälle nimmt die Macht der wenigen grossen Händler, welche auch grosse Stückzahlen beziehen, immer mehr zu. Inzwischen werden zum Teil bis zu 80% aller Mengen über Sonderaktionen ein- und verkauft und folglich nur noch 20% zu regulären Konditionen und Preisstellungen gehandelt.

Der nun immer weniger saisonal geprägte Reseller konzentriert sich zunehmend auf die qualitativ höheren Fragestellungen, die weniger Ad-Hoc, dagegen eher bewusst und anwendungsbezogen beim Kunden passieren. Systemlösungen, Vernetzung von aufeinander abgestimmte Komponenten und Trouble-Shooting im laufenden Betrieb erfordern neben der Handels- auch Beratungs- und Service-Kompetenz. ICT-Reseller sind nach der erfolgreichen Transformation zum „Drei-Bein-Reseller“ folglich deutlich stabiler aufgestellt als der auf Transaktion fokussierte, reine Grosshändler. Die Trennung von „Qualitäts-Anbieter“ und „Volumen-Dreher“ wird immer deutlicher, so dass selbst die Migros Tochter GLOBUS ihre Warenhäuser und Geschäftsmodelle inzwischen auf mehr Dienstleistung umbaut. Die Handelsfunktion ist aber auch zukünftig ein immer wesentlicher Teil der Positionierung.

Reinen Händlern droht auch die absehbar einsetzende Vernetzung von vielen kleinen Drei-Bein-Resellern, die dann als Einkaufsgemeinschaften zusammen und in der Fläche schwarmartig plötzlich wieder günstigere Preise haben. Ob sich die erfolgreich transformierten Reseller aber dazu hinreissen lassen, ist fraglich, denn als Vertrauenspartner ist man verlässlich und übernimmt gegenüber seinen Kunden Verantwortung. Übermässige Preisspiele passen da nicht rein. Die bereits beginnende Vernetzung von einzelnen Resellern erfolgt deshalb auch vorsichtig und sehr geplant nach dem typisch schweizerisch bewährten Erfolgsmuster.

Thomas Czekala, Verwaltungsrat ProSeller AGThomas Czekala
Verwaltungsrat ProSeller AG
5. Januar
2017

Bericht auf CE today
→ Folgebericht auf CE today „Wieso Reseller das Preisspiel nicht mehr mitmachen


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Der Index wird täglich ermittelt und einmal monatlich für den laufenden Monat fixiert. Er basiert auf den anonymisierten Suchaktivitäten der ICT-Reseller bei Verwendung der Concerto-Software-Suite und repräsentiert damit ein jährliches Einkaufsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Franken bzw. rund 20’000 Abfragen pro Tag. Mehr zum ICT-ReSeller-Index >