Wie geht es Schweizer ICT-Resellern wirklich und wie schätzen diese ihre Lage ein? Diese und viele weitere Fragen werden in der Reihe „Channel Talk unplugged“ beantwortet. In der aktuellen Folge

hat Daniel Rossi vom Concerto-Team Thomas Köhl, den Inhaber der UTILIS Computer GmbH in St. Gallen, besucht und gefragt, wo der Schuh drückt. Das Unternehmen bietet seit mehr als 20 Jahren Neugeräte, Occasionen und Support an, sowohl im Ladenlokal als auch online.

Die Meinung der Reseller in der Schweiz ist ProSeller wichtig. Wollen Sie ebenfalls miteilen, wo Sie der Schuh drückt? Dann melden Sie sich gleich hier an:

Bei Channel Talk teilnehmen

Daniel Rossi: Gibt es einen Hersteller mit dem Sie sehr zufrieden sind und warum?
Thomas Köhl: Ich bin sehr zufrieden mit BenQ, da ich mit dem Ansprechpartner Oliver Rudolf auf eine jahrelange, gute Zusammenarbeit zurückblicken kann.

Gibt es einen Distributor mit dem Sie sehr zufrieden sind?
Alltron hat ein breites Sortiment, gute Preise und bietet eine hohe Verfügbarkeit. Auch die Bearbeitung von Garantiefällen funktioniert gut, was für mich sehr wichtig ist.

Thomas Köhl von Utilis

Thomas Köhl von Utilis

Gibt es einen Produktsektor, wo die Marge für Sie noch stimmt?
Eine gute Marge kann man mit einem glücklichen „Händli“ bei Restposten und Occasionen erzielen. Auch bei bestimmten Zubehörartikeln wie Netzwerkkabeln geht es noch gut.

Was halten Sie generell vom Online-Handel?
Der Online-Handel hat seine Vor- und Nachteile. Ich habe alle Produkte, die ich im Sortiment habe, auch auf Toppreise.ch gelistet. Durch meine Verfügbarkeit kann ich dort gut verkaufen, zum Beispiel alte Tonermodule, die ich von Kunden zurücknehme.

Was halten Sie von solchen Online-Preisvergleichsplattformen?
Besonders gut an solchen Plattformen ist, dass ich dort auch Nischenprodukte verkaufen kann. Ärgerlich ist allerdings, dass einige Händler Artikel anbieten, die überhaupt nicht verfügbar sind, nur um auf diesen Portalen gelistet zu sein.

Wie beurteilen Sie ausländische Online-Anbieter wie zum Beispiel Amazon?
Durch den immer stärkeren Preiskampf werden Amazon und Co. hierzulande sicherlich Marktanteile gewinnen.

Sehen Sie hier eine Bedrohung für den schweizerischen Markt?
Für viele Händler ist diese Konkurrenz eine ernste Bedrohung. Bei mir wird sich jedoch eher weniger verändern, da ich online vor allem Nischenprodukte wie Restposten und Occasionen verkaufe.

Wie sind die letzten Geschäftsjahre verlaufen und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
Die letzten zwei Jahre liefen gleichbleibend mit einem leichten Rückgang beim Umsatz im Verkauf. Dafür nimmt die Nachfrage beim Support kontinuierlich zu.

Was ist Ihr „Erfolgsrezept“ im Kampf um Marktanteile?
Ein Rezept sind vernünftige Preise – ein Stundensatz von 96 Franken ist auch für Private noch bezahlbar. Dazu kommt ein breites Angebot an Nischenprodukten mit Auslaufmodellen und Restposten. Meinen Kunden gefällt auch, dass sie für alle Fragen nur einen Ansprechpartner haben. Durch diesen persönlichen Service weiss ich immer, was der Kunde für Produkte hat.

Was hebt Ihre Firma von Ihrer Konkurrenz ab?
Die Firma gibt es schon seit 1996, das strahlt Seriosität und Kompetenz aus. Ausserdem habe ich ein grosses Lager und somit eine gute Verfügbarkeit meiner Produkte.

Haben Sie neue Dienstleistungen oder Produkte im Angebot?
Momentan habe ich keine neuen Produkte oder Services.

Expandiert Ihr Unternehmen in der nächsten Zeit?
Nein, dafür gibt es momentan keine Pläne.

Haben Sie schon einmal über eine Nachfolgeregelung nachgedacht?
Nein, bisher war das kein Thema für mich.

Wie sehen Sie den aktuellen Business-Trend?
Wenn ich auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicke, waren es gute Jahre. Der Verkauf schwankt zwar, die Supportleistungen werden jedoch laufend mehr. Wichtig ist mir vor allem, dass Ende Jahr etwas übrig bleibt.

Dieses Jahr habe ich den Fokus auch auf mehr Freizeit gelegt und dabei gemerkt, dass nicht jeder Notfall eines Kunden auch wirklich ein Notfall ist. Wenn ich sage, dass ich einen Expresszuschlag erheben muss, pressiert es für die meisten dann ja doch nicht so sehr.

Mir ist meine Work-Life Balance wichtiger geworden. Früher habe ich 1-2 Wochen im Jahr Ferien gemacht und meistens 6 Tage die Woche gearbeitet. Nun schaue ich, dass ich vermehrt auch ein Wochenende für mich habe und auch mal einen freien Nachmittag. Ich muss ja auch keinen riesigen Gewinn machen. Es sollte am Schluss einfach aufgehen. Da ich auch keine Mitarbeiterlöhne bezahlen muss, kann ich entspannt auf nächste Jahr schauen.