Die Blockchain-Technologie wird von beinahe 20 Prozent der Schweizer ICT-Unternehmen als Chance für mehr Wachstum angesehen. Das ergab eine Umfrage von Computerworld. Die Markforscher von ICD sagen für Ausgaben in diesem Sektor ein Wachstum von 73 Prozent pro Jahr voraus. Vor allem die Finanzwelt, Logistik- und Dienstleistungs-Unternehmen sowie der Industrie- und Rohstoffbereich wollen investieren. Doch vielfach fehlt das Verständnis, in welchen Anwendungsfällen die Blockchain für das eigene Unternehmen geeignet ist.

Technologie ist noch im Beta-Stadium

Viele Unternehmen vergessen beim aktuellen Hype rund um das Thema Blockchain, dass es sich dabei um eine Technologie handelt, welche noch im Aufbau ist. Eine Einführung der Blockchain, um modern zu erscheinen, wäre daher übereilt. Zunächst sollte ein konkreter Anwendungsfall ermittelt werden. Die Standards entwickeln sich schnell weiter und viele Fragen sind noch offen, somit kann ein Festlegen auf ein bestimmtes Protokoll ein Schritt sein, der später bereut wird.

Die Blockchain kostet Geld

Auch die Kosten sind ein Punkt, den es zu beachten gilt. Denn der grundlegende Quellcode ist dank Open Source zwar frei verfügbar, doch die Entwicklung und Implementierung kosten Geld. Auch eine eindeutige Governance ist erforderlich, damit die Weiterentwicklung gesichert wird. Dies ist umso wichtiger, da es bei einer Public Blockchain keine zentrale Organisation gibt, welche für einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess sorgt.

Ein Beispiel sind Startups, die zur Finanzierung eine eigene Kryptowährung als „Initial Coin Offering“ einführen. Allein die Gebühren für Anwälte und Genehmigungen erreichen in so einem Fall schnell 500’000 Franken und mehr. Für weniger Geld gibt es Dienstleister, welche für eine funktionierende und rechtskonforme Finanzierung sorgen.

Blockchain braucht Zusammenarbeit

Unternehmen müssen sich auch darüber im Klaren sein, dass die Blockchain ihre Vorteile nur dann ausspielen kann, wenn weitere Teilnehmer beteiligt sind. So könnte eine Blockchain-Lösung im Finanzbereich mit einer Zusammenarbeit mehrerer Firmen realisiert werden. Doch Ängste vor dem Verlust von Alleinstellungsmerkmalen stehen solchen Entwicklungen oft im Weg. Besteht so ein Netzwerk jedoch erst einmal, ist es äusserst einfach, weitere Unternehmen mit ins Boot zu holen.

Auch der eigentliche Vorteil der Transparenz wird nicht überall gesehen. Denn Händler können keine Details mehr verschweigen. Ausserdem sind die Informationen in der Blockchain unveränderbar – wurde also in der Konzeptionsphase ein Fehler gemacht, bleibt dieser Fehler erhalten. Abhilfe ist nur durch Aufsetzen einer komplett neuen Blockchain möglich.

Datenschutz muss gewährleistet werden

Eine offene Blockchain lässt sich nicht ohne weiteres mit aktuellem Datenschutzrecht wie der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vereinbaren. Zwar ist die Verschlüsselung ein zentraler Bestandteil der Blockchain, doch die dezentrale Datenspeicherung widerspricht dem Grundsatz der Selbstbestimmung. Gerade bei Finanzdienstleistern ist zudem noch das Bankgeheimnis zu beachten, ausserdem müssen Kundendaten derzeit noch in der Schweiz bleiben. Hier gilt es noch verschiedene rechtliche Aspekte zu klären, bevor eine Blockchain eingesetzt werden kann.

Blockchain ist nicht Bitcoin

Beim Bitcoin sind prinzipiell alle Transaktionen eines Nutzers einsehbar, sobald der private Schlüssel der betreffenden Person bekannt ist. Zwar sind die Details verschlüsselt, doch zumindest die Anzahl der getätigten Transaktionen ist nachvollziehbar. Von Anonymität kann dabei nicht die Rede sein. Dieser Mangel an Privatsphäre in Public Blockchains sorgt vielfach für Angst vor Blockchain-Lösungen.

Darüber hinaus besteht insbesondere für Permissioned Blockchains das Vorurteil, dass sie eine schlechte Performance, mangelhafte Skalierbarkeit sowie einen hohen Energieverbrauch aufweisen. So werden für das Mining von Bitcoins derzeit 73 Terawattstunden pro Jahr benötigt, ein Sechstel mehr als die gesamte Volkswirtschaft der Schweiz.

Hohes Potenzial trotz Grenzen

Die Einschränkungen der Technologie zeigen, dass die Blockchain kein Allheilmittel ist. Oft wurden Projekte mit unrealistischen Erwartungen gestartet. Experten erwarten daher eine Phase der Ernüchterung auf dem Markt. Dann jedoch werden sich Anwendungen etablieren, welche für die Unternehmen, die sie einsetzen, einen wirklichen Mehrwert bieten. In der Folge werden auch Veränderungen in der digitalen Business-Welt nicht auf sich warten lassen.

Über das Potenzial und die Grenzen der Blockchain-Technologie berichtete die Computerworld in ihrer Ausgabe 8-9/2018.

Kommentar der Redaktion:
Werden Erdbeeren den Menschen ausrotten?

Beim gegenwärtigen Speed der technologischen Entwicklung stellt sich immer mehr die Frage, ob der Mensch irgendwann von Robotern ausgerottet wird. Die Möglichkeit ist da… wie aber könnte es dazu kommen?

Immer mehr sind wir von der Technik abhängig, immer mehr ist alles verkettet. Da reicht es wahrscheinlich irgendwann, wenn es an einer unvorhersehbaren Stelle einen kleinen Programmierfehler gibt, welcher dann eine Kettenreaktion auslöst.

Wer weiss, vielleicht wird es ein Roboter zum Pflanzen und Ernten von Erdbeeren sein. Dieser wird mit dem Ziel gebaut, die Ernte zu maximieren. Durch den installierten  Selbstlernprozess könnte dieser feststellen, dass er mit mehr Fläche grössere Ernteerträge einfahren kann. Das Resulat wäre, dass er die angrenzenden Felder an sich reisst. Wenn der Mensch nicht mitmacht, wird er ihn als Hindernis in der Erreichung seiner Ziele erkennen und sich Mittel und Wege beibringen, um den Menschen zu vernichten…

Kaum zu glauben, dass die Menschheit wegen einer Erdbeer-Leidenschaft vernichtet werden könnte… oder nicht?