Ganz ehrlich, wer konnte sofort mit dem Begriff „digitale Transformation“ etwas anfangen, als er ihn das erste Mal gehört hat? Digitalisierung kennt man, eventuell auch den Begriff Transformation, aber beides zusammen? Auch stammen solche Zwei-Wort-Phrasen üblicherweise aus den Bullet-Point-Listen hochbezahlter Strategie-Berater. Herleitungen und Erklärungen stehen weiter hinten, gehen oft verloren und übrig bleiben dann nur noch die scheinbar für sich selbst sprechenden Killer-Phrasen, in unserem Fall die „digitale Transformation“.

Das Gute gleich zu Beginn: der Begriff erzeugt Bewegung. Er macht zum einen Angst aber zum anderen auch Hoffnung. Wer sich nicht digital transformiert, der wird sterben. Wer die digitale Transformation aber durchzieht, dem winken neue Welten und viel Profit. So lauten die unterschwelligen Aussagen in allen Berichten, Empfehlungen und Kommentaren zur digitalen Transformation. Sehr wahrscheinlich sind diese sogar richtig. Kodak und Nokia stehen als Mahnmale für Verlierer und IBM hat es wieder einmal noch rechtzeitig geschafft.

Alles schön, aber was muss ich nun tun?

Wie kann ich für meine Situation die Chancen finden und die Zukunft meines Unternehmens sichern? Wichtig ist zu erkennen, dass die digitale Transformation nicht der Anfang sondern das Ergebnis dieser Fragestellung ist. Dafür braucht es den Mut und die Erlaubnis, bewusst alles Bestehende in Frage zu stellen zu dürfen. Ob etablierte Konzerne wie UBS oder auch Volkswagen dafür bereit sind wird die Zukunft zeigen.

Auch muss aktiv die Perspektive gewechselt werden, d.h. nicht aus der Sicht bestehender Produkte und Lösungen die Antwort suchen, sondern aus der Perspektive des Kunden mit seinen Bedürfnissen. Dies können externe zahlende Kunden sein, aber auch interne Abnehmer der Leistungen meiner Abteilung. Je länger man in einer Funktion arbeitet, desto schwerer fällt aber dieser Wechsel auf die andere Blickrichtung. Überall wird von Empathie als wichtige Charaktereigenschaft gesprochen, hier zeigt sich, wer es wirklich kann.

Teure „Digital Transformation Consultants“-Beratung nötig?

Die Antwort ist einfach: wie bei einem Alkoholiker muss die Veränderung massgeblich durch den Betroffenen erfolgen. Der Berater kann nur helfend unterstützen und moderieren. Machen kann der Berater die Transformation nicht. Es ist also zu empfehlen, sich in einem entspannten Workshop (eventuell neutral moderiert) mit folgender Frage-Folge zu beschäftigen: „Für wen machen wir zukünftig wofür und wie genau was?“ Das war’s, bitte aber in genau der Reihenfolge beantworten!

Wer bei diesem Workshop im Hinterkopf alle technischen Möglichkeiten von heute berücksichtigt und in den letzten Jahren ausreichend eigene Erfahrungen mit den Spielarten der „digitalen Interaktion“ gesammelt hat, sollte ohne Probleme spannende Antworten herausbekommen. Zur Not lädt man sich noch ein paar „Nerds“ als Ideengeber ein, dann hat man auch gleich „Design Thinking“ umgesetzt. Einige Antworten könnten sogar richtige Innovationen sein, ob diese unbedingt „digital“ sind, ist nicht gesagt. Sehr wahrscheinlich werden sie aber „digitale Komponenten“ beinhalten, weil es damit heutzutage einfach einfacher und besser geht.

Thomas Czekala, Verwaltungsrat ProSeller AGThomas Czekala

Zum Autor
Thomas Czekala ist Gesellschafter, Beirat und Verwaltungsrat verschiedener Firmen aus der ICT-Branche, Industrie, Zertifizierung und Beratung. Er war ab 1999 Teil des Scout24 Gruppen-Managements und hat u.a. am Businessplan von ImmobilienScout24 mitgearbeitet. Als Turn-Around Manager war er CFO der JobScout24 Gruppe. Er berät die Firmen seines eigenen Portfolios sowie befreundete Unternehmer mit Fokus auf B2B Geschäftsmodelle.