Mit einem Index-Wert von 87 im Januar 2016 startet das neue Jahr überraschend gut. Saisonal bedingt ist der Januar normalerweise eher schwach und er beginnt auch wie erwartet mit einem Rückgang zum Dezember-Wert. Dieses Mal fällt dieser aber mit -19% eher gering aus. Mit einer Steigerung des Index-Wertes von 27% im Vergleich zum Januar 2015 kann sogar von einem guten Januar gesprochen werden. Jedoch ist der schlechte Beginn des Vorjahres durch den „Frankenschock“ vom 15. Januar 2015 nicht unbedingt repräsentativ.

2016 beginnt mit einem guten Signal: Der ICT-Reseller scheint seine Handelsrolle im neuen Umfeld gefunden zu haben, zumindest im ersten Vergleichsmonat mit ähnlichen Bedingungen wie im Vorjahr. Es wäre jedoch verfrüht, an dieser Stelle bereits eine detaillierte Datenanalyse zu erstellen. Erst beim Vorliegen einer längeren Zeitreihe unter „like-to-like“ Bedingungen ist dies seriös.

ICT Reseller Index Januar 2016 / Vergleich Schweiz

Zu Jahresbeginn sei erlaubt, die sich verändernden, qualitativen Rahmenbedingungen für den Schweizer ICT-Reseller zumindest anzudeuten. Eine Verschiebung der Absätze zwischen den unterschiedlichen Channels (Retail, Reseller, Direkt) aber auch Online vs. Offline wird zunehmend sichtbar.

Die im Markt zu beobachtende Suche nach neuen, nachhaltigen Positionierungen aller Handels-Marktteilnehmer macht die nähere Zukunft ungewiss, aber sehr spannend:

  • In wie weit sinken die Margen auf HW/SW-Produkte weiter? Muss der ICT-Reseller durch Beratungs-, Implementierungs- und Service-Dienstleistungen diesen Rückgang kompensieren?
  • Wird es für den ICT-Reseller eine neue saisonale Kurve geben, da Online-Kanäle und Auslandseinkäufe das B2C-Geschäft beeinträchtigen – insbesondere in den Spitzenmonaten?
  • Werden die Hersteller noch weiter an die Endkunden herangehen und noch mehr Geschäfte direkt abwickeln?
  • Wie werden sich die Distributoren in der Sandwich-Rolle mit den (bereits jetzt) sehr kleinen Margen neu positionieren?
  • Welche neuen Spieler kommen aus dem Ausland in die Schweiz? Unser Land gilt ja mit dem Blick aus dem Ausland noch als sehr margenstark.

Ohne eine gut funktionierende Wahrsagerkugel zu haben, kann hier nur der Blick auf andere Branchen und jetzt schon gelebte Realitäten hilfreich sein:

  • Es gibt Hersteller, die ihren Resellern bereits mehr oder weniger eine Null-Margen-Politik aufzwingen. Dies geht besonders gut bei „Muss-Produkten“ (z.B. LEGO im Spielzeughandel) oder aber bei Produkten mit relevanten, dezentralen und margenstarken Beratungs-, Konfigurations- und Customizing-Dienstleistungen wie im ICT-Umfeld.
  • Je mehr die Kunden neue Beschaffungswege und Einkaufstools kennen und erleben, desto mehr werden sie diese auch nutzen. Insbesondere bei Peaks, wie z.B. vor Weihnachten oder bei grösseren Projekten, lohnt es sich für Käufer, den Einkaufsprozess effizienter abzuwickeln. Im Alltag und bei geringerem Bedarf werden dafür wieder die lokalen Lieferanten gewählt, zu denen eher persönliche Beziehungen vorliegen. Für den ICT-Reseller ist daher mit einer eher flacheren Jahreskurve zu rechnen, die etwas niedriger liegt  als auch schon.
  • Gerade Hersteller suchen neue Margen-Quellen, zumal die Effizienzsteigerungs-Potenziale in der industriellen Produktion immer aufwändiger zu heben sind. Auch ist der Handel aus Sicht von Industrie-Unternehmen nicht wirklich eine komplexe Prozesslandschaft, die den Industrie-Organisationen Angst macht.
  • Preis, Sortiment und Verfügbarkeit reichen für den Erfolg im Grosshandel heute nicht mehr aus. Es gibt für Distributoren z.B. die Strategien „Noch-Grösser“ oder „Kleiner, aber spitze Nische“ oder „End-2-End-Prozesse“. Leider erfordern alle Strategiewechsel grössere Investitionen. Aber weiter zu fahren wie bisher, ist für viele erst recht keine Option.
  • Die Schweiz ist im Welt-Massstab als Ganzes eher klein und durch seine föderale Struktur, die eigenen Gesetze und die vier Sprachen für Ausländer kaum zu greifen. Trotzdem ist das Interesse von neuen ausländischen Firmen am Markt Schweiz mit seinem weltweit bekannt hohen Preisniveau zunehmend spürbar.

Betrachtet man also lediglich diese fünf Perspektiven und lässt Mega-Trends wie „Digitale Transformation“ noch aussen vor, dann wird das 2016 bereits sehr spannend.

Bericht auf IT-Markt.ch

 

 

ICT-ReSeller Index in eigener Sache:
Spezial-Workshops auf 2016 geplant

Seit rund 12 Monaten hat ProSeller die Daten-Schatztruhe geöffnet. Der ICT-ReSeller-Index stösst durch die genauen Analysen des Marktes und die konkreten Voraussagen des Branchentrends auf sehr grosses Interesse. Daher wurden wir vermehrt angefragt, ob auch vertiefte Diskussionen möglich sind. Wir haben uns deshalb entschlossen, für 2016 eine Serie von Workshops in kleinem Kreis zu organisieren. An diesen sollen generelle Markttrends und Handlungsoptionen ausgetauscht werden.

Als ProSeller AG sind wir ausserdem bereit, uns noch etwas weiter unter den Rockzipfel schauen zu lassen. Das heisst, wir werden an diesen Anlässen ausgewählte Spezialanalysen und Statistiken exklusiv vorstellen.

Sind Sie Hersteller, Distributor oder Journalist eines Online-Portales und einer Zeitschrift aus der ICT-Branche und an einer Teilnahme interessiert? Dann informieren Sie uns bitte hier – wir werden Sie, sobald die Daten für die Workshops gefixt sind, ausführlicher informieren.

Ja, ich bin interessiert!

Mit freundlichem Gruss

Thomas Czekala
Verwaltungsrat der ProSeller AG


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Der Index wird täglich ermittelt und einmal monatlich für den laufenden Monat fixiert. Er basiert auf den anonymisierten Suchaktivitäten der ICT-Reseller bei Verwendung der Concerto-Software-Suite und repräsentiert damit ein jährliches Einkaufsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Franken bzw. rund 20’000 Abfragen pro Tag. Autor: Thomas Czekala, Verwaltungsrat der ProSeller AG / 05.02.2016
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