Wieviel Hardware-Handel wird sich der ICT-Reseller in der Zukunft noch leisten können?

Trotz härterem Franken und schwierigem Umfeld sind viele Reseller wieder im Geschäft zurück. Der Umsatz vom Juli 2015 ist mit einem Indexwert von 86 nun fast auf Vorjahres-Niveau und wie saisonal üblich, mit -5% leicht unter dem Vormonat Juni. Die Voraussage der Pessimisten, dass ein tiefer Sturz ins Sommerloch droht, ist damit (noch) nicht eingetroffen.

Beruhigend ist vor allem wie schon im Juni, die sich wiederholende Annäherung an den Vorjahres-Indexwert – die Parole „Back to normal“ setzt sich fort. Der auf lange Frist bekannte, negative Trend zum Vorjahr bleibt jedoch im Monatsvergleich mit -3% bestehen. Immer klarer sichtbar wird die Sortiments-Verschiebung beim ICT-Reseller, der sich nun zunehmend um komplizierte Schnittstellen und Lösungen kümmern muss. Peripherie, Zubehör und Netzwerkartikel nehmen gegenüber Vorjahr weiter zu und haben inzwischen fast einen Umsatzanteil von 40% des Resellers erreicht.

Zu beobachten ist auch, dass Peripherie-Produkte einen Umsatzzuwachs verzeichnen, obwohl die Preise pro Einheit gegenüber 2014 gesunken sind. Für Zubehör und Netzwerkteile hingegen zahlen die Kunden gegenüber 2014 pro Einheit mehr.

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In der qualitativen Befragung bleiben die bekannten Trends und Schlagworte bestätigt: Hoffnungen und Veränderungsmassnahmen der ICT-Reseller basieren auf Beratung und Dienstleistungen. Auch der Vertrieb über Online-Kanäle wird zunehmend von allen Käufergruppen erwartet und muss optimiert werden.

BICT ReSeller Index Juli 2015 / Entwicklungis und mit Juli liegt der Umsatz im 2015 um -9% unter Vorjahr, d.h. leicht besser als noch im ICT-Reseller-Index-Report vom Juni mit -10%. Im Juli konnte zwar etwas Boden gutgemacht werden, da aber auch der Juli unter dem Vorjahr liegt, wird die Lücke weiterhin grösser.

Netzwerkartikel und Zubehör sind mit steigenden Durchschnittspreisen und insgesamt höheren Umsätzen der Lichtblick im durchwachsenen Geschäftsverlauf. Die Umsätze der Komponenten und Verbrauchsmaterialien sinken ebenfalls, liegen aber weiter über dem Durchschnitt.

Im Juli verliert nun auch die Kategorie Software Anteile und liegt erstmals unter dem Durchschnitt. Die Direktvertriebskanäle der Software-Hersteller beginnen weiter zu greifen. Sorgenkinder sind Computer und Storage, die bei sinkenden Preisen und Absätzen weiter dramatisch fallen.ICT ReSeller Index Juli 2015 / Vorjahresvergleich

Die sehr schwachen Monate März und April haben ein tiefes Loch in die Auftragsbücher der Reseller gerissen, welches im 2015 wohl kaum noch ausgebessert werden kann.

Die Annäherung von unten an die Vorjahreskurve bei stabilen Rahmenbedingungen lässt für die folgenden Monate auch keine grundlegenden Veränderungen oder Sprünge nach oben erwarten.

ICT-Reseller zur aktuellen Situation…

  • „…erstmals treiben neue Software-Releases nicht mehr das Hardware-Business an. Schade…“
  • „…mit Office 365 wird jeder in die Cloud geschoben und an die neuen Software-Lizenzmodelle gewöhnt…“
  • „…den grossen ICT-Konzernen ist nicht klar, dass die Kunden Lösungen für ihre individuellen Probleme wollen…“
  • „…viele Kunden haben bisher ihre ICT selber organisiert. Nun suchen sie Partner, die sich ganzheitlich darum kümmern…“

…und zu deren Aktionsfeldern

  • „…als Reseller muss ich mehr wissen, als mein Kunde googeln kann. Fortbildung ist überlebenswichtig für uns.“
  • „…wir suchen neue Wege. Zum Beispiel prüfen wir den Direktimport aus China und den USA…“
  • „…alles wird Online und das Internet liefert uns neue IT-Produkte. Hier gibt es tolle Nischen, die noch nicht besetzt sind wie beispielsweise IT für die Küche oder Installationen zur Steuerung der Haustechnik….“
  • „…wir müssen noch effizienter werden – u.a. beim E-Commerce-Verkauf und bei der Bestellabwicklung…“

Zum ICT-ReSeller-Index

Der Index wird täglich ermittelt und einmal monatlich für den laufenden Monat fixiert. Er basiert auf den anonymisierten Suchaktivitäten der ICT-Reseller bei Verwendung der Concerto-Software-Suite und repräsentiert damit ein jährliches Einkaufsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Franken bzw. rund 20’000 Abfragen pro Tag.

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Autor: Thomas Czekala, Verwaltungsrat der ProSeller AG / 07.08.2015